Lebensmittel

Herbst

Berlepsch Der Herbst ist da. Das Licht wird milder, Kastanien liegen auf den Wegen – und es gibt die ersten Berlepsch. Wegen des warmen Frühlings in diesem Jahr wurden die Früchte zwei Wochen früher als sonst gepflückt. Zwei, drei Wochen nach der Ernte sind sie dann genussreif. So habe ich heute mein Frühstücksmüesli wieder mit Apfelwürfelchen und Rosinen statt mit Beeren zubereitet. Ich liebe das Knacken der Samenkörner von Himbeeren oder Brombeeren im Mund, aber mit Zitronensaft beträufelte Apfelstücke sind auch wunderbar lecker. Und Berlepsch ist der wohlschmeckendste Apfel, den ich kenne. Zudem vertragen ihn selbst Pollenallergiker, die an Kreuzreaktionen mit Kernobst leiden, häufig gut.

Der Ingenieur und Obstzüchter Diedrich Uhlhorn jun.[1] kreuzte die Apfelsorte 1880 in Grevenbroich aus Ananasrenette und Ribston Pepping und benannte sie Goldrenette Freiherr von Berlepsch nach dem damaligen Düsseldorfer Regierungspräsidenten[2]. Zwanzig Jahre lang hatte er seine Züchtung in seinem Garten beobachtet und verbessert, bis er sie für die Obstwirtschaft geeignet fand. Heute gehört der Berlepsch zu den alten Tafelapfelsorten, die nur noch selten angebaut werden, weil die Kultur schwierig, der Ertrag gering und die Größe der Früchte eher klein ist. Da der Geschmack des festen, aber nicht harten Fruchtfleisches einmalig ist – saftig, spritzig, weinwürzig, mit einem ausgewogenem Spiel von Süße und Säure – und der Gehalt an Vitamin C besonders hoch, wird er im Rheinland glücklicherweise noch vielerorts kultiviert. Gelegentlich ist er auch andernorts zu finden, wo es Liebhaber alter Sorten gibt, z.B. im Alten Land. Die Schale ist in der Grundfarbe grünlich-gelb, stellenweise ins Rötliche spielend und stellenweise ganz von dunklem Rot überdeckt, oft als rote Backe.[3] Typisch sind die Lentizellen, graue Pünktchen auf der Schale. In den Geruch von gelbem Apfel mischt sich ein Hauch von Mandelsüße.

1. Enkel eines Erfinders gleichen Namens.
2. Hans Hermann von Berlepsch, ein preußischer Adeliger, der sich gleichwohl für die aktive Mitwirkung der Arbeiterschaft am gesellschaftlichen Leben einsetzte.
3. Eine Abart ist der Rote Berlepsch, bei dem die rote Färbung überwiegt.

19. September 2011 von Kai Yves Linden
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