Wein

Langlebig

Weinkeller Heute haben wir in Walluf im Rheingau Hans-Josef Becker kennengelernt, ein echtes Original mit Zwirbelbart und arbeitsamen Händen, der zusammen mit seiner Schwester Maria das Weingut J.B. Becker betreibt. Neben dem für den Rheingau typischen Riesling baut er auch einen beträchtlichen Teil (20 %) Spätburgunder an. In seinem Angebot gibt es neuere und ältere Jahrgänge, deren Lese einige Jahre und in besonderen Fällen sogar Jahrzehnte zurückliegt. Im von Weinkellerschimmel durchzogenen Fass- und Flaschenlager, das wegen der Nähe zum Fluss nicht sehr tief und dabei gerade zwei Meter über dem Grundwasser liegt, scheint die Zeit langsamer zu vergehen. Bevor er seine Weine auf Flaschen zieht, die er mit Glasstopfen verschließt, weil er dem unberechenbaren Einfluss von Korken misstraut, lagern sie mindestens ein Jahr lang im Holzfass, dem traditionellen Stückfass, das nicht so viel Holzaromatik an den Wein abgibt wie das vielerorts auch in Deutschland in Mode gekommene Barrique. Daher kommt wohl, unter anderem, die ungewöhnliche Langlebigkeit seiner Weine. Die Trauben werden ausschließlich mit der Hand gelesen. Bei unserem Besuch wurde gerade frisches Lesegut gepresst (was mit einem lauten zischenden Geräusch verbunden ist). Weiße und rote Weine baut Becker sehr trocken aus. Wir haben bei ihm Spätburgunder vom Wallufer Walkenberg probiert und waren von Komplexität und Länge und dem femininen Charme der verkosteten Exemplare äußerst angetan.

14. Oktober 2012 von Kai Yves Linden
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