Großkippe

Großkippe Vor rund siebzig Jahren wurde ein Teil des sumpfigen Erlenbruchwaldes im Eller Forst aufgeschüttet und als Fläche für die Entsorgung von Hausmüll bestimmt. Von 1953 an wurden jährlich zunächst 300.000 Kubikmeter, zuletzt 800.000 Kubikmeter Abfall aus Düsseldorfer Haushalten auf die Großkippe an der Rothenbergstraße (L 404) geschüttet. 1965, nach zwölf Jahren, wurde dann die Entsorgung des Hausmülls von der Müllverbrennungsanlage in Flingern übernommen.

Noch Ende der 1970er Jahre war der oberflächlich zugedeckte Müllberg auf Grund seiner Form und Kahlheit gut zu erkennen, der sich durch die eher flachen Flanken und die geringere Höhe von den nordwestlich gelegenen, auf der anderen Seite der Straße beginnenden steileren Hügeln der Düsselauen bei Gödinghoven deutlich unterscheidet. Als Kinder von elf oder zwölf Jahren nannten wir jene aus der flachen Ebene aufragenden bewaldeten Hügel „die blauen Berge“, zu denen wir uns manchmal in „geheimen“ Exkursionen aufmachten. Die damals noch weitgehend kahle ehemalige Müllkippe dagegen mieden wir.

Der Wald an deren südöstlichem Rand wird von sumpfigem Boden durchzogen. Über Jahrhunderte wurde das Gebiet des Eller Forstes durch Gräben trockengelegt, die noch überall zu erkennen sind. Doch in dem Teil, das seit 1970 Naturschutzgebiet ist, steht das Grundwasser so hoch, dass wenig Regen genügt, um die Gräben dort mit Wasser zu füllen. Auch unmittelbar am Rand der ehemaligen Müllkippe ist der Boden stellenweise durchweicht und oft ‒ teilweise das ganze Jahr über wasserständig.

Erst in jüngerer Zeit wird die Bedeutung von Niedermoorböden als Biotop für den Naturschutz, vor allem aber als CO²-Speicher für den Klimaschutz erkannt. Wird das Grundwasser im Naturschutzgebiet durch die Nachbarschaft zur ehemaligen Mülldeponie belastet? Auch Medikamente und mehr oder weniger giftige Chemikalien, etwa Batterien, wurden mit dem Hausmüll entsorgt. Eine im Dezember 2012 gestellte Anfrage dazu wurde von der Bezirksvertretung 8 der Stadt Düsseldorf dem öffentlichen Protokoll nach lediglich zur Kenntnis genommen. Auf der Web-Seite des Landesamtes für Natur, Umwelt und Klima NRW wird Müllablagerung als Gefährdung genannt, die ehemalige Mülldeponie aber nicht erwähnt.

Von der ökologischen Problematik abgesehen könnte die ehemalige Deponie auch als Aufbewahrungsort für Zeugnisse der modernen Zivilisation betrachtet werden. Viele der Gegenstände aus industrieller Massenproduktion, die hier lagern, werden sich erst im Lauf von hunderten bis tausenden Jahren oder nie zersetzen ‒ und könnten irgendwann als archäologischer Fund gelten. Ein Bruchteil davon wird am Rand des Müllberges, wo das Grundwasser an die Oberfläche drückt, von der Witterung oder von Tieren freigelegt und mischt sich in die Vegetation. Zerbrochenes Glas, das unter der Bodendecke unsichtbar bleibt, lässt einen vorsichtig treten, wenn es sich durch knackendes Geräusch bemerkbar macht. Manche Glasbehälter an der Oberfläche sind von Moosen besiedelt. Kunststoff zerbröselt oder zerschleißt zu einem ausgefransten Lappen, der einem verwitternden Laubblatt ähnelt. (Zur Fotogalerie→)


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