Tag: Musiktheorie

  • Das Licht, vom Dunkel geordnet

    Vor einem Jahr, am 18. Juli 2018, ist der Komponist Wolfgang Hufschmidt vierundachtzigjährig verstorben. Ich habe ein wenig schlechtes Gewissen, denn das vorletzte Mal, als ich ihn bei einem Konzert sah, hatte ich versprochen, dass ich ihn mit einer Weinflasche besuchen werde. Leider ist es nicht mehr dazu gekommen. Das letzte Mal begegnete ich ihm…

  • Gefaltetes Papier

    Philippe Manourys Orchesterstück Sound and Fury wurde vor ein paar Tagen zum zweiten Mal nach siebzehn Jahren ‒ in einer neuen Fassung uraufgeführt. Es ist eine Musik, in der Klangrede und Klangentfaltung jeweils aus einander hervorgehen. Sie scheint immer wieder an einem Ort stehen zu bleiben, wo sie sich auflädt um sich dann woanders hinzuwenden.…

  • Klang und Musik: Töne

    Unsere Wahrnehmung vereinfacht und ordnet die Welt, sodass wir uns in ihr orientieren können. Zugleich haben wir grundsätzlich die Fähigkeit, Vielgliedrigkeit und Unregelmäßigkeit der Erscheinungen zu erkennen, die wir im Alltag als Objekte zusammenfassen. Dies gilt auch für das auditive System: Es ermöglicht uns, einen Strom von akustischen Reizen auf unseren existenziellen Horizont (unsere Lebenswirklichkeit…

  • Schneidemaschine

    Die Idee, Klänge als Material aufzuzeichnen, um sie in musikalischen Darbietungen neu anzuordnen, wurde am Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts durch die technischen Möglichkeiten nahegelegt. Etwa gegen Ende der zwanziger Jahren wurden verschiedene mechanische Musikinstrumente auf dieser Grundlage erfunden, die bald wieder vergessen wurden.

  • Ambivalenz von Nähe und Ferne

    Der Dualismus von horizontaler (melodischer) Nachbarschaft und vertikaler (harmonischer) Verwandtschaft ist konstitutiv für alle tonale Musik. Beim späten Beethoven und bei Schubert finden sich Beispiele, die diesen Dualismus auf den Punkt bringen. Modulationen von einer Tonart zu einer anderen spielen mit der Vieldeutigkeit der temperierten Stimmung, in der zwölf Frequenzklassen für ein Vielfaches an Tonhöhenklassen…

  • Zeit-Linie

    Das prominenteste Merkmal der Musik Afrikas der Subsahara ist der Rhythmus. Seine Grundlage ist (eine zumeist nur gedachte) durchgehende Perkussion[1], deren Geschwindigkeit einem mehr oder weniger beschleunigten menschlichen Puls entspricht. Den Grundschlag (beat), der Tempo und tänzerische Bewegungen bestimmt, überlagern langsamere und schnellere Zeitschichten, die jeweils zwei oder jeweils drei Schläge zu einer Periode zusammenfassen…