Category: Künste

  • Gefaltetes Papier

    Philippe Manourys Orchesterstück Sound and Fury wurde vor ein paar Tagen zum zweiten Mal nach siebzehn Jahren ‒ in einer neuen Fassung uraufgeführt. Es ist eine Musik, in der Klangrede und Klangentfaltung jeweils aus einander hervorgehen. Sie scheint immer wieder an einem Ort stehen zu bleiben, wo sie sich auflädt um sich dann woanders hinzuwenden.…

  • Klang und Musik: Töne

    Unsere Wahrnehmung vereinfacht und ordnet die Welt, sodass wir uns in ihr orientieren können. Zugleich haben wir grundsätzlich die Fähigkeit, Vielgliedrigkeit und Unregelmäßigkeit der Erscheinungen zu erkennen, die wir im Alltag als Objekte zusammenfassen. Dies gilt auch für das auditive System: Es ermöglicht uns, einen Strom von akustischen Reizen auf unseren existenziellen Horizont (unsere Lebenswirklichkeit…

  • Allein mit dem Blues

    Nein, nicht wirklich, ich habe den Blues nicht, ich nicht. Die Welt gibt zwar genug Anlass, an ihr zu verzweifeln ‒ aber gelegentlich auch genug, sie wundervoll zu finden. Glücklicherweise gibt es für mich keinen Grund für Liebeskummer. Es ist der Titel eines Jazz-Standards, den ich als eine Art kompositorische Fingerübung für fünf Blechbläser (in…

  • Ein letzter Gruß

    Mit Bernd Wiesemann habe ich einen Freund verloren, der mich einen großen Teil meines Lebens als Musiker und Mensch begleitet hat. Ein Kind des Fluxus, war ihm Offenheit nicht nur Programm, sondern Natur. Das Düsseldorfer Musikleben wäre ohne ihn, der als Initiator und Kurator Konzertreihen wie forum 20 (1990-2000), das nicht nur für Düsseldorf beispielhaft…

  • Drei Fotos

    Für die Hintergrundebene des Videos zu Liberté (veröffentlicht auf Vimeo, 4 Minuten) habe ich drei Fotos ausgewählt, die als gemeinsames Grundmotiv die Straße haben. (Hauptschicht der Audio/Video-Komposition – durchaus wörtlich im Sinne von Zusammensetzung zu verstehen – ist die elektroakustisch multiplizierte und transformierte Stimme von Paul Éluard.) Die Hintergundebene, auf der die Fotos nacheinander liegen,…

  • Sieben Buchstaben

    Auszüge aus den Arbeitsnotizen zu Liberté (einer elektroakustischen Ausarbeitung einer Rezitation des Gedichtes von Paul Éluard, 1942/1944?), Audio und Video auf Vimeo (4 Minuten): Liberté Éluard, 1942 Cours de conversation November 2014 begonnen als Liebeserklärung Besetzung, Widerstand la femme aimée → la liberté Anaphora Nebeneinander der vielen Dinge, Erscheinungen, Erfahrungen, Spiegelungen Offene Assoziationen Éluard: Stimme…

  • Reise in die Vergangenheit

    Der Besuch eines Museums oder eines Friedhofs ist eine Reise in die Vergangenheit, eine Gelegenheit, Verbindungen und Bezüge zu Geschichte, Erbe, Überkommenem, Ursprüngen herzustellen. Paris ist nach einem berühmten Text von Walter Benjamin die Hauptstadt des 19. Jahrhunderts.[1] Auch das heutige Paris ist trotz aller Modernität der Stadt vor allem durch jenes Jahrhundert geprägt. An…

  • Materie

    Mit Freunden besuchte ich eine Vorstellung von De Materie in der Kraftzentrale im Landschaftspark Duisburg-Nord. Weil wir uns bei der Anfahrt vom Navigationsgerät in eine falsche Straße hatten führen lassen ‒ die Emscherstraße gibt es in Duisburg zweimal ‒ mussten wir das Einlassfenster für Verspätete wahrnehmen. Dadurch verpassten wir leider den Anfang des Stücks, von…

  • Ambivalenz von Nähe und Ferne

    Der Dualismus von horizontaler (melodischer) Nachbarschaft und vertikaler (harmonischer) Verwandtschaft ist konstitutiv für alle tonale Musik. Beim späten Beethoven und bei Schubert finden sich Beispiele, die diesen Dualismus auf den Punkt bringen. Modulationen von einer Tonart zu einer anderen spielen mit der Vieldeutigkeit der temperierten Stimmung, in der zwölf Frequenzklassen für ein Vielfaches an Tonhöhenklassen…

  • Permutationen des Hohen und des Niedrigen

    Die heutige Weiberfastnacht lässt mich an ein Musikstück denken, das vage mit Karneval zu tun hat, Karneval als Ausnahmezustand und Umkehrung der Verhältnisse. ‹Ludus de Morte Regis› (Spiel vom Tod des Königs) für achtundzwanzigstimmigen Chor und elektronische Klänge habe ich im vergangenen November durch einen Vortrag des Komponisten Mauro Lanza, der 1975 in Venedig geboren…