Nachrichten von Kai Yves Linden an die Welt
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Geteilte Aufmerksamkeit
Die geteilte Aufmerksamkeit, in den von Nebenläufigkeit und Gleichzeitigkeit bestimmten Lebenszusammenhängen einer Großstadt eine geradezu lebenswichtige Rezeptionstechnik, hat beim Menschen natürliche Grenzen. Im Verkehrsraum etwa kommt, aufgrund des tagsüber oft permanenten Umgebungslärms, den Augen eine erhöhte Bedeutung als Rezeptionsorgan zu; die Augen kann man jedoch nicht überall haben, nicht zugleich links und rechts, vorne und…
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Uraufführung: Vertikale Struktur
Am 12. Juli 2017 wird ein Stück aufgeführt, an dem ich nun mehr als ein Jahr in meiner freien Zeit gearbeitet habe: Vertikale Struktur. Als ich es das letzte Mal gehört habe, am vergangenen Samstag in einer Probe mit der Flötistin Anne Horstmann, mit der ich das Stück erarbeitet habe, ging es fast wie im…
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Klang und Musik: Verzerrung
Viele Musikinstrumente weisen in ihrer jeweiligen tiefen Lage eine nur schwache erste Harmonische auf, die dennoch deutlich als Grundton erkannt wird. Abstrakter formuliert handelt es sich um das Phänomen, dass die Tonhöhe, die dem Grundton eines harmonischen Spektrum entspricht, auch dann wahrgenommen wird, wenn dieser nur schwach oder gar nicht vorhanden ist. Dieses hat die…
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Gefaltetes Papier
Philippe Manourys Orchesterstück Sound and Fury wurde vor ein paar Tagen zum zweiten Mal nach siebzehn Jahren ‒ in einer neuen Fassung uraufgeführt. Es ist eine Musik, in der Klangrede und Klangentfaltung jeweils aus einander hervorgehen. Sie scheint immer wieder an einem Ort stehen zu bleiben, wo sie sich auflädt um sich dann woanders hinzuwenden.…
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Klang und Musik: Töne
Unsere Wahrnehmung vereinfacht und ordnet die Welt, sodass wir uns in ihr orientieren können. Zugleich haben wir grundsätzlich die Fähigkeit, Vielgliedrigkeit und Unregelmäßigkeit der Erscheinungen zu erkennen, die wir im Alltag als Objekte zusammenfassen. Dies gilt auch für das auditive System: Es ermöglicht uns, einen Strom von akustischen Reizen auf unseren existenziellen Horizont (unsere Lebenswirklichkeit…
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Allein mit dem Blues
Nein, ich habe den Blues nicht, nicht wirklich. Die Welt gibt zwar genug Anlass, an ihr zu verzweifeln ‒ aber gelegentlich auch genug, sie wundervoll zu finden. Glücklicherweise gibt es für mich keinen Grund für Liebeskummer. Es ist der Titel eines Jazz-Standards, den ich als eine Art kompositorische Fingerübung für fünf Blechbläser (in der Standardbesetzung…
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Ein letzter Gruß
Mit Bernd Wiesemann habe ich einen Freund verloren, der mich einen großen Teil meines Lebens als Musiker und Mensch begleitet hat. Ein Kind des Fluxus, war ihm Offenheit nicht nur Programm, sondern Natur. Das Düsseldorfer Musikleben wäre ohne ihn, der als Initiator und Kurator Konzertreihen wie forum 20 (1990-2000), das nicht nur für Düsseldorf beispielhaft…
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Süße Sprossen
Bei einem Abstecher auf dem Rückweg von einem Einkauf mit dem Fahrrad in Gerresheim, der mich an die Nördliche Düssel führte, entdeckte ich japanischen Knöterich. Dieser wird von Wildpflanzensammlern auch Wildrhabarber genannt, was schon alles über seine Verwendung in der Küche sagt. Der wissenschaftliche Name der Pflanzengattung der Flügelknöteriche, zu der die Staude zählt –…
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Leere ohne Breite
Im typographischen Setzkasten gibt es seit der Renaissance Zwischenräume (Spatien) verschiedener Breite, gemessen in Unterteilungen eines Gevierts (der Breite, die der Höhe der Letternkegel einer Satzschrift entspricht). Eine Breite kam erst mit dem digitalen Schriftsatz hinzu: Ein Leerzeichen mit einer Breite von 0 – nullbreites oder breitenloses Leerzeichen genannt, en. zero-width space, fr. espace sans…
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Drei Fotos
Für die Hintergrundebene des Videos zu Liberté (veröffentlicht auf Vimeo, 4 Minuten) habe ich drei Fotos ausgewählt, die als gemeinsames Grundmotiv die Straße haben. (Hauptschicht der Audio/Video-Komposition – durchaus wörtlich im Sinne von Zusammensetzung zu verstehen – ist die elektroakustisch multiplizierte und transformierte Stimme von Paul Éluard.) Die Hintergundebene, auf der die Fotos nacheinander liegen,…
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