Literatur

Schöner als Stille

Silence (Seit 2007 pinselt Christian Souverain, der sich peintre en lettres nennt, Sprüche an Hauswände und Schaufenster von La Charité, einer kleinen Stadt an der Loire, die stolz auf ihre zumeist antiquarischen Buchhandlungen und Buchbinderwerkstätten ist. Das Anbringen von Schriftzügen auf öffentlichen Wänden ist in Frankreich seit 1981 ausdrücklich verboten, aber beim jährlichen Festival du Mot im Juni stellen Händler und Hausbesitzer Flächen für eine große öffentliche Aphorismensammlung, die im ganzen Stadtraum verteilt ist, zur Verfügung.)

Eine Freundin meint, dass manche meiner Blog-Artikel zu lang sind. Deshalb versuche ich mich einmal kurz zu fassen. Ich erinnere mich an einen Spruch, der von einem anonymen Sufi stammen soll, den ich in La Charité sur Loire gelesen habe:

Si le mot que tu prononces n’est pas plus beau que la silence, ne le dis pas.
(Wenn das Wort, das du aussprechen willst, nicht schöner ist als die Stille, sag es nicht.)

Wenn ich darüber nachdenke, scheint mir die Regel schwer zu erfüllen – nicht allein weil mir Zunge oder Feder schon mal durchgehen. Aber immerhin ist es eine bedenkenswerte Anregung.

14. Juni 2011 von Kai Yves Linden
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