Musik

Skalenrausch

Delusion of the Fury Am Ende der gestrigen Aufführung von Delusion of the Fury von Harry Partch war ich ganz berauscht. Seine 43-Ton-Skala wird auf den von ihm erfundenen oder adaptierten Instrumenten, auf denen zum größten Teil Saiten oder selbstklingende Stäbe, halboffene Hohlkörper oder Gläser angeregt werden, arpeggiert, durchschritten, in Knickbewegungen durchzogen. Besonders schön fand ich die Aufenthalte auf harmonisch entfernteren Tönen in Abschnitten mit langgezogenen Melodien. Partch’s Welt hat Berührungspunkte mit der Hippie-Kultur, vor allem in der Freude am vollem Klang und der Neigung zum repetitiven Verweilen, dehnt sich aber mit ihrer eigenen offenen Systematik weiter als die Popmusik, die von ihr beeinflusst wurde, in das unendliche Kontinuum der Klänge hinein. Auch im heutigen Kulturbetrieb erscheint Partch als Außenseiter – ungeachtet der unzweifelhaften Zugehörigkeit seiner Musik in die Gesamtheit der Ströme neuer Musik nach 1900 – der mit einer umwerfenden Mischung aus Naivität und Entschiedenheit durch und durch erfrischend wirkt. Auf jeden Fall, wenn die Interpreten seine Musik so mitreißend umsetzen wie das Ensemble musikFabrik, das das Stück, in dem die Musiker als Bühnenprotagonisten auch die Handlung darstellen, mit offensichtlicher Spielfreude dargeboten hat. An diesem Wochenende wird die Produktion der Ruhrtriennale noch zweimal gegeben (beide sind jedoch ausverkauft).

7. September 2013 von Kai Yves Linden
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